RENKRENK
New Energy: h₂ und CO₂

Neue Energien: Wasserstoff- und CO₂-Anwendungen werden zu Wachstumsfeldern der RENK GmbH

Wie Nadine Despineux, CEO der Division Marine & Industrie, RENK mit Lösungen für Energieeffizienz und Neue Energien-Anwendungen zum systemrelevanten Player der Energiewende entwickeln will

Neue Energien: Wasserstoff- und CO₂-Anwendungen werden zu Wachstumsfeldern der RENK GmbH

Welche Expertise hat RENK in den Bereichen Energiewende und Neue Energien?

Nadine Despineux: Wir sind zum einen stark aufgestellt, wenn es um Lösungen für mehr Energieeffizienz geht. Zum Beispiel in der Kunststoffindustrie sorgen unsere Getriebelösungen für eine um 2,5 Prozent höhere Energieeffizienz in der Kunststoffverarbeitung. Das bedeutet eine Ersparnis von ca. einer halben Million Euro pro Jahr – ein Extruder läuft in der Regel 30 Jahre. Die Ersparnis für den Betreiber beträgt also über den Lebenszyklus unserer Lösung bis zu 16 Millionen Euro! 

Wie ist diese höhere Effizienz möglich?

ND: Für diese Anwendungen in der Kunststoffproduktion haben wir Produkte, die sehr hohe Drehmomente zulassen. Somit lassen sich größere Anlagen realisieren, was wiederum positive Skaleneffekte bei den Investitionen und im Betrieb zur Folge hat. Zudem ermöglicht das Getriebe variable Drehzahlen mit hohem Wirkungsgrad. Dadurch können die Betreiber ihre Anlagen jederzeit mit den optimalen Produktionsparametern betreiben.

Unsere Getriebe können für den jeweiligen Prozess optimal eingestellt werden. Am Beispiel Kunststoff erklärt: Bei der Herstellung von Kunststoffgranulat etwa kann bei gleicher Energie auf diese Weise mehr Menge hergestellt werden.

Das war jetzt ein Beispiel für einen Beitrag zu weniger Emissionen und Energieverbrauch. Was macht RENK im Bereich der Neuen Energien?

ND: Wir konzentrieren uns hier auf die Zielmärkte Wasserstoffe, Carbon Capture, Utilization and Storage sowie große industrielle Wärmepumpen mit Turbokompressoren für Fernwärmenetze. Alles Themen, die nicht nur für uns, sondern für die globale Gesellschaft insgesamt extrem wichtig sind. Wir können dabei unsere schnelllaufenden Turbogetriebe aus der Öl- und Gas-Industrie sowie Power Generation einsetzen, denn genau diese Technologien werden auch für Verarbeitung, Transport und Speicherung von neuen Energieträgern und der Dekarbonisierung benötigt. Turbogetriebe verbinden typischerweise Antriebe, vor allem Elektromotoren mit Turbokompressoren werden in diesem Zusammenhang immer dann benötigt, wenn Gase zum Transport oder zur Speicherung verflüssigt werden (entweder durch sehr hohe Drücke oder durch sehr niedrige Temperaturen) oder umgekehrt etwa für Kühlvorgänge verarbeitet werden. Genau das ist die Schlüsseltechnologie, die im Bereich Wasserstoff erforderlich ist.

Sie sprechen von schnelllaufenden Turbogetrieben. Was muss man sich darunter vorstellen?

ND: Im Auto treiben Motoren die Kurbelwelle in der Regel mit 4000 bis 5000 Umdrehungen pro Minute an. Unsere Getriebelösungen erreichen mehr als 60.000 Umdrehungen. Um dies zu erreichen ist es erforderlich, dass unsere Getriebe in einer sehr hohen Präzision entwickelt und gefertigt werden. Das ist unsere Kernkompetenz und macht uns zu einem der führenden Hersteller in diesem Segment.

Was ist denn das Besondere an der Verarbeitung von Wasserstoff? Wieso ist das so eine technologische Herausforderung?

ND: Wasserstoff transportfähig zu bekommen, benötigt man entweder sehr niedrige Temperaturen – minus 253 Grad – damit der Wasserstoff flüssig bleibt oder sehr hohe Drücke (bis zu 900 bar) damit das Gas in einem Druckbehälter transportiert werden kann. Dies ist deshalb so wichtig, da Wasserstoff gasförmig eine sehr geringe Dichte hat. Die hohen Drehzahlen des Getriebes ergeben sich ebenfalls aufgrund der geringen Dichte. Hohe Drehzahlen erfordern vom Hersteller sehr, sehr präzises Design und Fertigung.

Was heißt präzise?

ND: Präzise heißt in diesem Fall 2-3 Mikrometer. Ein menschliches Haar hat 70 Mikrometer, ein Spinnenfaden hat rund 7 Mikrometer. Die Präzision von 2-3 Mikrometer muss Bauteil für Bauteil geleistet werden. Und das können auf der Welt nur sehr wenige Unternehmen.

Und warum kann RENK das leisten?

ND: Weil wir uns diese Expertise über die vergangenen 150 Jahre aufgebaut und vor allem erhalten haben. Erfahrung und ständige Weiterentwicklung sind dabei entscheidend.

Wie lange dauert es, um ein solches Getriebe herzustellen?

ND: Bei kleineren dauert es vier bis fünf Monate, bei den größeren neun bis elf Monate.

Wie wichtig ist dieser Bereich der Neuen Energien für RENK in der Zukunft?

ND: Dieser Markt hat für uns eine sehr hohe Bedeutung, da die Neuen Energien auf Kosten der Öl- und Gasproduktion stark wachsen werden und so die Dekarbonisierung unserer Industrie und Gesellschaft überhaupt ermöglichen wird. Wir haben beste Voraussetzungen, um dieses Wachstum voll mitzunehmen, weil wir mit unseren Kunden aus den traditionellen fossilen Industrien in diese neuen Anwendungen mitgehen.

In welchen Projekten zur Energiewende ist RENK denn schon engagiert?

ND: Worauf wir sehr stolz sind, ist ein großes Projekt in Deutschland für Grünen Stahl durch Wasserstoff. Die Stahlindustrie baut ja aktuell ihre gesamte Produktion auf Klimaneutralität um. Hierbei reduziert der Produzent durch den Einsatz von Wasserstoff die CO₂ Emissionen massiv. Da werden die ersten Prototypenanlagen aufgebaut. Und wir haben auch einen Auftrag für das Projekt Gateway bekommen und bereits die Getriebe ausgeliefert, die größte Wasserstoff-Produktionsanlagen der Welt in der Kleinstadt Alabama im Staat New York. Die Anlage entsteht gerade.

Wir arbeiten auch an einem Energiespeicherprojekt in Italien. CO₂ wird dabei in einem geschlossenen thermodynamischen Kreislauf verwendet, um Energie zu speichern und bei Bedarf wieder Strom zu generieren. CO₂ ist eines der wenigen Gase, die kondensiert und als Flüssigkeit unter Druck bei Umgebungstemperatur gespeichert werden können. Auch hier sind unsere Turbogetriebe in Kompressoren im Einsatz, um die notwendigen Drücke zu erzeugen.

Die Energiewende kann nur funktionieren, wenn alle notwendigen Player ihren Beitrag leisten. Und RENK gehört mit seinen Lösungen und Schlüsseltechnologien dazu. Wir investieren massiv in Forschung und Entwicklung, um das, was künftig gefordert sein wird, auch liefern zu können. 

Portrait Nadine Despineux RENK
Quotation marks

Dabei hilft uns natürlich unsere Erfahrung und Expertise mit technologisch hochspezialisierten Produkten sehr. Vor allem aber kann RENK belegen, dass unsere Technologie immer unter schwierigsten Anforderungen verlässlich und präzise funktioniert hat. Das zeichnet uns aus.

Nadine Despineux, CEO der Division Marine & Industrie

Was ist das Attraktive daran für RENK?

ND: Es geht allgemein um die Frage, wie sich Energie speichern lässt. Denn wenn wir es nicht schaffen, Energie speichern zu können, können wir erneuerbare Energien nicht effizient nutzen und in ausreichender Menge zur Verfügung stellen. Jeder spricht von Wind- und Sonnenenergie. Wir wissen aber heute, dass wir damit nicht genug Strom für die Anwendungen wie E-Autos und das Heizen im Winter erzeugen können. Wir müssen also in eine Situation kommen, Strom zu erzeugen, wenn wir ihn gar nicht brauchen. Und den müssen wir dann natürlich speichern können. Die Speicherform kann z.B. Wasserstoff sein.

Erneuerbarer Strom wird heute dezentral erzeugt, also dort, wo Wind weht und die Sonne scheint. Und dort muss es auch gespeichert und transportiert werden. Das Problem gab es bis vor einigen Jahren nicht. Es gab große Erzeuger mit ihren Kohle- oder Atomkraftwerken, die den Strom ins Netz eingespeist haben. Das gibt es so aber immer weniger, denn Strom wird mehr und mehr dezentral erzeugt. Und deshalb besteht dieser große Bedarf z.B. an Wasserstoff oder Ammoniak als Speichermedium. Dazu kommen Pipelines, in denen der Wasserstoff von A nach B transportiert werden wird.

Ist die Frage schon geklärt, wie der Transport von Wasserstoff als Energiespeicher ablaufen wird?

ND: Nein, da gibt es noch eine Reihe offener Fragen und Möglichkeiten. Man könnte bestehende Gaspipelines umrüsten und dafür nutzen oder flüssig transportieren beispielsweise in Druckbehältern per Schifffracht. Aber es ist nicht geregelt, wie viel Bar Druck in diesen Pipelines sein muss oder darf. Davon hängt aber die Technologie ab. Die Diffusion von Wasserstoff ist eine weitere wichtige Frage, dies wird von vielen Faktoren beeinflusst wie zum Beispiel der Druckunterschied zwischen den Bereichen, der Temperatur und der Art des Materials. All das muss geregelt werden. Und wir sind in der Diskussion auch beteiligt.

Wie sieht das mit Carbon Capture and Storage aus? Wie aktiv ist RENK in dem Bereich?

ND: Wir sind in dem Prozess auch aktiv, in dem Gase voneinander getrennt werden sollen, also etwa Kohlenstoff aus dem CO₂ abgeschieden werden soll. Das ist der Prozess der Wiederverwertung von CO₂. Und wir sind auch aktiv in dem Prozess des Einpressens von Kohlendioxid in die Erde. Dazu ist jeweils hoher Druck notwendig, den Kompressoren erzeugen, die mit unseren hochdrehenden Turbogetrieben ausgestattet sind. Wir sind deshalb absolut systemrelevant für die Energiewende. Das absolut Spannende an der Energiewende ist für mich, dass die bestehende Industrie ihren Beitrag leisten kann und muss, aber auch neue Technologien, die da reinkommen. Wenn beides zusammenkommt, dann kann die Energiewende gelingen.

Was ist die Botschaft an diejenigen, die einen sinnstiftenden Job in der Industrie suchen?

ND: RENK ist mit den beiden Bereichen Sicherheit & Verteidigung sowie Energiewende in zwei der relevantesten Themen der Zeit aktiv. Unsere Produkte leisten damit einen wesentlichen Beitrag, die Welt sicherer und nachhaltiger zu gestalten. Und das ist ein großer Anreiz für unsere Mitarbeiter, die mit ihrer Arbeit etwas Sinnstiftendes beitragen wollen.

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